Godard sagte über seinen Videoessay Histoire(s) du cinéma, mit dem Medium DVD seien noch ganz andere Dinge möglich.
Was man mit den Silberscheiben anstellen kann, demonstrierte Alexander Kluge, nach eigener Auskunft Godards »jüngerer Cousin«, mit seinen Nachrichten aus der ideologischen Antike. Andreas Platthaus schrieb damals in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die DVD sei genau das richtige Medium für sein Werk, Kluge selbst sieht darin die Möglichkeit einer »extensiven Landwirtschaft des Films«.
Mit diesen Mitteln setzt er sich nun in seinem neuen Projekt mit den Kollateralschäden der Wirtschaftskrise auseinander. Es geht um den Gegenpol der Krise – das Vertrauen: Was läßt sich für Geld nicht kaufen? Warum ist Vertrauen, das durch Werbung und Geld allein nicht erkauft werden kann, ein Rohstoff, notwendiger als Beton oder Öl? Unterstützt wird er dabei vom Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz, von Peter Berling in der Rolle des Tiermehlfabrikanten Fred Eicke, von Dirk Baecker, Helge Schneider, Joseph Vogl und vielen anderen.
Bonus: Booklet mit Texten von Alexander Kluge, Geschichten (PDF-Dateien zum Download)
Für Kluge jedenfalls, der mit seinen unzähligen, netzwerkartig verknüpften Gesprächen seit Jahrzehnten an einem einzigen, endlosen Film dreht, dürfte die DVD in der Tat das Medium sein, fast ist es so, als hätte sein filmisches Schaffen auf diese neue Technologie geradezu gewartet. Er selbst nennt die DVD die Möglichkeit zur „extensiven filmischen Landwirtschaft" — tatsächlich hat man es bei diesem wie beim Vorgängerfilm nicht nur mit Landwirtschaft zu tun, sondern auch mit einer beeindruckenden Landschaft aus Gesprächen und Köpfen, in und aus der die vielfältigsten Gedankenbäume wild wachsen. - Sebastian Kirsch, Theater der Zeit
"Mit nichts schläft man so schön ein wie bei Kluge im Fernsehen. Geht hier nicht. Hier bleibt man dran. Rois und Wuttke, Enzensberger und Luhmann. Und Helge Schneider als Geistesgipfelsherpa. Deutsche Intellektuelle sind doch nicht so... So... Sie wissen schon." - DIE WELT, Elmar Krekeler
"Futter für den eigenen Film im Kopf legt Kluge seinen Zuschauern überreichlich vor. Zehn Stunden Material enthalten die vier DVDs, die jetzt in der "filmedition suhrkamp" mit grasgrünem Cover auf den Markt gekommen sind. Die Bio-Farbe passt ganz gut, denn die Edition ist ein Produkt nachhaltiger Bewirtschaftung von Kluges Fernseh-Plantage dctp.TV. Nach seiner Verfilmung von Marx' "Kapital" ("Nachrichten aus der ideologischen Antike"), die Anfang des Jahres ebenfalls bei Suhrkamp heraus kam, ist das nun der zweite Beweis, dass Kluges Wirtschaftsweise in geistiger Hinsicht jedenfalls funktioniert. Was er liefert, wirkt ungemein frisch." - Eckhard Fuhr, DIE WELT
"Man braucht die Klugheit der Märchen, um auf die absurde Abstraktheit der heutigen Weltordnung zu antworten." - Programmheft der Volksbühne
Alexander Kluge ist mit diesem Film ein Gegenentwurf zu Michael Moores „Kapitalismus – eine Liebesgeschichte“ gelungen, der zurzeit in den Kinos läuft. Der im Grunde autoritäre Filmemacher Moore weiß über Gut und Böse, Richtig und Falsch von Anfang an Bescheid. Der ältere, viel verspieltere Kluge betrachtet die Wirklichkeit neugieriger und offener, er lässt den Zuschauern Freiheit. - Harald Martenstein, Tagesspiegel
So könnte unterhaltsames und intelligentes Bildungsfernsehen aussehen. Aber so etwas gibt es bei den Öffentlich-Rechtlichen leider nicht. - Harald Martenstein, Tagesspiegel