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Hrsg. von Martina Hanf (Akademie der Künste, Berlin)
Thomas Brasch: Filme
ISBN: 978-3-89848-559-3
Best. Nr.: 559
Preis: € 39,90
EAN: 978-3-89848-559-3
 
filmedition suhrkamp - fes 16:

ENGEL AUS EISEN, DOMINO, MERCEDES, DER PASSAGIER

»Ich danke der Filmhochschule der DDR für meine Ausbildung … Ich danke den Verhältnissen für ihre Widersprüche. Und ich danke den Helden meines Films, den beiden toten Kriminellen Gladow und Völpel, für ihr Beispiel.« Mit diesen Sätzen bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises für ENGEL AUS EISEN sorgte Thomas Brasch 1981 für einen Skandal.

Brasch hatte 1967/1968 an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg studiert, wurde dann jedoch wegen des Verteilens von Flugblättern gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei zu einer Haftstrafe verurteilt. Nachdem er 1976 die DDR verlassen hatte und ihm mit Vor den Vätern sterben die Söhne der Durchbruch als Schriftsteller gelungen war, arbeitete er seit Anfang der achtziger Jahre auch als Filmemacher. Zwischen 1981 und 1988 entstanden die Spielfilme ENGEL AUS EISEN, DOMINO, MERCEDES (Brasch adaptierte 1984 sein gleichnamiges Stück für das niederländische Fernsehen, der Film ist nun erstmals in Deutschland zu sehen) und DER PASSAGIER – WELCOME TO GERMANY mit Tony Curtis. ENGEL AUS EISEN und DER PASSAGIER wurden als jeweils einziger deutscher Wettbewerbsbeitrag zum Internationalen Filmfestival von Cannes eingeladen.

Die DVD-Box versammelt erstmals alle Filme Thomas Braschs. Als Extras sind Fernsehbeiträge von und über Brasch zu sehen: ein ausführliches Gespräch mit Günter Grass nach der Ausbürgerung, eine Ansprache bei einem deutschdeutschen Schriftstellertreffen vor dem Mauerfall, Brasch im Interview und bei Reportagen, Werkstattgespräche und oben zitiertes Statement aus dem Jahr 1981. Der DVD-ROM-Teil der DVD enthält u. a. Arbeitsskizzen, Fotos und Faksimiles verschiedener Drehbuchfassungen zu DER PASSAGIER, an dem Brasch anfangs gemeinsam mit Jurek Becker arbeitete. Im Booklet erinnern sich der Produzent Joachim von Vietinghoff und Hanns Zischler an die Arbeit mit Brasch.

»Ich kann nur glauben, daß Filmemachen, Bildermachen von einer Welt, den Wunsch beinhaltet nach einer Alternative zu der Art, wie wir leben. … Erst wenn eine Gesellschaft so regressiv ist, daß sie den Menschen das Wünschen abtrainiert, ist das Ziel der Mächtigen erreicht.« Thomas Brasch




 
Dieser Film ist Teil der Edition: filmedition suhrkamp

Weitere Filme zum Thema: Literatur



Buch: Jurek Becker, (Co-Autor bei "Der Passagier")
Buch: Thomas Brasch
Regie: Thomas Brasch
Darsteller: Hilmar Thate, Katharina Thalbach, Hanns Zischler, Karl-Heinz Grewe, Tony Curtis, Birol Ünel, Peter Lohmeyer, Bernhard Wicki, u. a.

3 DVD, ca. 540 Min., Farbe + s/w, mit ausführlichem Booklet

Veranstaltung in Kooperation mit der BÖLL-Stiftung am 23.2.2010
 



»Die Filmedition Suhrkamp, diese großartige Reihe, hat nun Braschs Kinowerk neu herausgebracht, vier Filme, nicht mehr, nicht weniger. Wiederzuentdecken ist – von „Engel aus Eisen“ über „Domino“ und „Mercedes“ bis zu „Der Passagier “ – ein unverwechselbarer maximalistischer Minimalismus, jedes Genre unterlaufend, ganz der Macht der Bilder vertrauend.« Der Tagesspiegel, 2.11.2011, Kerstin Decker

»Bei der DEFA - von Ulrich Weiß vielleicht einmal abgesehen - hat niemand je einen Film gemacht, der Braschs Kino auch nur entfernt gleicht: selbstbewusst schön, stilbewusst, vorsichtig arrogant, auf gute, in sich ruhende Weise macho, vorpreschend-verwegen im Schauspiel, wie schlafwandlerisch balancierend auf dem schmalen Grat zwischen Realismus und Theater - todsicheres Tara der Elemente, Effekte, Affekte.« Olaf Möller, Recherche Film und Fernsehen

»Der kühne, nicht glättende, sondern Widersprüche aufwerfende Relativismus von Thomas Braschs Filmen besteht genau darin: in der Verwandlung von Geschichte in Gegenwart. Und diese Gegenwart wirft lange Schatten.« Matthias Dell, Cargo

»Nicht das ewig sich drehende Lebensrad, das Kontinuität und Konvention garantiert, herrscht im Werk von Brasch, sondern eher das ständig wiederholte Attentat, jenem Mechanismus mit stockender Wirkung in die Speichen zu fallen.« Karsten Witte, Cargo

»Brasch stellte immer Fragen: Nach seiner jüdischen Herkunft, den Ursachen und Folgen des Nationalsozialismus, seiner Rolle in der DDR und später nach der in der Bundesrepublik. ...
Wo Roehler und andere Regisseure, die sich in jüngster Zeit mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt haben, uns "eine Wahrheit" vorsetzen wollen, da nähert sich Brasch seinem Sujet mit der einzig annehmbaren Haltung: dem gebrochenen, verschobenen, reflektierenden Blick auf die Dinge.« Jochen Kürten, Deutsche Welle

»Nun hat der Suhrkamp Verlag zusammen mit absolut MEDIEN die Filme in seiner verdienstvollen DVD-Reihe zugänglich gemacht. Und man kann sich davon überzeugen, dass es wohl außer dem Himmel über Berlin von Wim Wenders keinen Film gibt, der ein genaueres Bild von Berlin im Jahrzehnt vor dem Mauerfall entworfen hätte als die ersten zwei Filme von Thomas Brasch, Engel aus Eisen und Domino, die Assoziationen zum amerikanischen Gangsterfilm ebenso zulassen wie zu Antonioni.« FREITAG, Thomas Rothschild

»"Engel aus Eisen" wurde 1981 nach Venedig eingeladen, ein Jahr später gab es dafür den Bayerischen Filmpreis. Von der Verleihung gibt es in dem großartigen reichhaltigen Bonusmaterial der Box eine Aufzeichung, die allein diese wichtige Herausgabe in der Filmedition Suhrkampt hätte rechtfertigen können.
... Der wieder zu entdeckende Filmemacher Thomas Brasch, ein Quereinsteiger in mehrfacher Hinsicht, machte wahrhaft neue deutsche Filme.« FAZ, Bert Rebhandl

»Das kluge, streitbare, verschlüsselte Kino eines Besessenen.« Berliner Zeitung

»Ein überragender Regisseur, der in einem Atemzug mit Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Alexander Kluge und dem eben verstorbenen Werner Schroeter zu nennen wäre.« freitag

»Die Suhrkamp-Filmedition, die mit großem Gespür auch die Apokryphen deutscher Filmkunst sorgsam kommentiert herausbringt, hat zu den Filmen »Engel aus Eisen«, »Domino«, »Mercedes« und »Der Passagier« (mit Tony Curtis) auch jenen legendären Film gestellt, den Georg Stefan Troller 1977 über Brasch drehte. ... das sorgfältig gemachte Begleitheft dieser Doppel-DVD ... Thomas Brasch gehört zu denen, die man kennen sollte, will man verstehen, woran die DDR unterging. ... Nun leben wir, zehn Jahre nachdem Thomas Brasch uns verlassen hat, wieder in ernsteren Zeiten. Der Sinn für den Schmerz, die Utopie, den Traum und die Tragödie im Schatten der stürzenden Börsenkurse - wächst er nun neu? Der Umgang mit dem künstlerischen Erbe von Thomas Brasch ist ein Teil der Antwort auf diese Frage.« Neues Deutschland

 
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