Im Juni 1970 führte der Filmemacher Ferry Radax (Sonne halt!) in Ohlsdorf, dem Hamburger Stadtteil, wohlgemerkt, nicht in Bernhards oberösterreichischer Heimat, das legendäre Interview »Drei Tage«. Bernhard war begeistert
und beschloß, »für den erstaunlichen Regisseur und seine erstaunliche Arbeitsweise … einen längeren und das heißt mindestens eineinhalb
Stunden langen Film zu schreiben«. Zur Grundlage für seine Filmerzählung nahm Bernhard das von ihm schon »vergessene« Fragment »Der Italiener«,
das er später zu seinem großen Roman Auslöschung (1986) ausarbeiten sollte. Die Adaption Der Italiener entstand dann im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks im Winter 1971.
Der Film wurde 1972 mit drei Adolf-Grimme-Spezialpreisen (Regie, Drehbuch, Kamera) ausgezeichnet.
Das 55minütige Interview »Drei Tage«, in dem Thomas Bernhard ausführlich über seine Jugend und seine Arbeitsweise spricht (er bezeichnet sich darin als »Geschichtenzerstörer«) ist als Extra auf der DVD zu sehen.
Bonus:
• Umfangreiches Booklet mit Texten Thomas Bernhards und Erläuterungen zur Entstehungsgeschichte
• Interview »Drei Tage« (1970)
DVD 5, 75 Min. + 52 Min. Extras, s/w, Deutsche Originalfassung
»Unglaublich - ein den Kulturbetrieb und seine Oberflächlichkeit verachtender Schriftsteller und ein wilder Wiener haben ein intensives naives Stück Ursprungskino geschaffen. Bernhard auf seiner Bank, das ist ein magisches Pastorale, das die Kraft der Zeit zeigt, ganz im Geiste Edward Hoppers, den Ferry Radax so ungemein liebt.« Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung (über »Drei Tage«)
»Ferry Radax' Film über zwei Männer, die philosophierend im verschneiten Wald wandern, erinnert an Experimente der Nouvelle Vague und basiert auf einem Textfragment des österreichischen Autors Thomas Bernhard. Dessen absurd-komischer dichterischer Kosmos spiegelt sich hier in düsteren Schwarzweißbildern.« Zitty