 |
|
         
|
|
|
|
DIE GROSSEN DOKUMENTARISTEN
(Peter Nestler – Poetischer Provokateur) |
| Eine Edition des Haus des Dokumentarfilms Stuttgart (Hrsg.: Kay Hoffmann) |
Zeichen der Zeit – Beobachtungen aus der Bundesrepublik 1956–1973 – Die Filme der Stuttgarter Schule
ISBN: 978-3-89848-547-0
|
Best.
Nr.: 547
|
Preis:
€ 69,90
|
|
| EAN: 978-3-89848-547-0 |
|
|
»Man gewinnt bei solchen Reportagen den Eindruck, als ob die wirklichen Talente des deutschen Films heute im Fernsehen ihr Wirkungsfeld gefunden haben.« Der Tagesspiegel 1963
Der Titel »Zeichen der Zeit« war prägend für die Arbeit der SDR-Dokumentarabteilung. Mit Klassikern wie DER POLIZEISTAATSBESUCH über den Shah-Besuch 1967 und den Tod Benno Ohnesorgs, DIE UNZUFRIEDENEN FRAUEN oder TORTUR DE FRANCE verstanden es die Filmemacher vortrefflich, an der glänzenden Fassade der Wirtschaftswundergesellschaft zu kratzen. Leichte 16-mm-Kameras mit synchronem Ton eröffneten in den 1960er Jahren neue Möglichkeiten, sich der Wirklichkeit zu nähern. Die ironischen, zum Teil sarkastischen Kommentare und Montagen überraschten und provozierten. So gelang es den Filmemachern um Heinz Huber und Dieter Ertel, sich von der bis dahin dominanten Tradition des »Kulturfilms« zu distanzieren. Sie gewannen ein eigenes Profil und entwickelten zukunftsweisende Formen des Dokumentarfilms und der Reportage. Ihre Filme wirken bis heute.
Die DVD-Box wird ergänzt durch ein umfangreiches Booklet mit Texten von Kay Hoffmann.
16 Filme 1956-1973 plus Bonusfilm:
DVD 1 / POLITIK Die Vergessenen (1956, R: Peter Dreessen), Der Polizeistaatsbesuch (1967, R: Roman Brodmann), Die ausgezeichneten Deutschen (1973, R: Roman Brodmann), Bonus: Das Beste an der ARD sind ihre Anfänge (1990, R: Meinhard Prill und Alexander Kluge)
DVD 2 / SPORT Tortur de France (1960, R: Dieter Ertel), Die Borussen kommen (1964, R: Wilhelm Bittorf), Die Misswahl (1966, R: Roman Brodmann)
DVD 3 / FRAUEN Die unzufriedenen Frauen (1963, R: Wilhelm Bittorf), Eine Hochzeit (1969, R: Elmar Hügler), Wegnahme eines Kindes (1971, R: Elmar Hügler)
DVD 4 / MILITARISMUS Die deutsche Bundeswehr (1956, R: Heinz Huber), Schützenfest in Bahnhofsnähe (1961, R: Dieter Ertel), Eine Einberufung (1970, R: Elmar Hügler)
DVD 5 / ARBEIT UND KULTUR Ödenwaldstetten (1964, R: Peter Nestler), Der Untergang der Graf
Bismarck (1967, R: Wilhelm Bittorf), Kunst und Ketchup (1966, R: Elmar Hügler), Fernsehfieber (1963, R: Dieter Ertel)
Bonus: DAS BESTE AN DER ARD SIND IHRE ANFÄNGE (1990) von Meinhard Prill und Alexander Kluge, Manuskript der Diskussion über den Film DIE BUNDESWEHR im Süddeutschen Rundfunk (8.11.1956) als PDF, Fotogalerie. PDF-Dateien mit
weiteren Informationen zu Filmen und Filmemachern. |
|
| |
Dieser Film ist Teil der Edition: Die großen Dokumentaristen
Weitere Filme zum Thema: Große Dokumentaristen |
|

Regie: Peter Dreessen, Roman Brodmann, Dieter Ertel, Wilhelm Bittorf, Elmar Hügler, Heinz Huber, Peter Nestler Regie Bonusfilm: Alexander Kluge, Meinhard Prill Herausgeber: Haus des Dokumentarfilms Stuttgart, Kay Hoffmann Kamera: Willy Pankau, Franz Brandeis, Michael Busse, Rudolf Werner, Peter Rühle, Boris Goriup, Kurt Hirschel, Dietrich Lehmstedt, Kurt Gewissen, Hartmut Missbach, Kurt Ulrich, Peter Nestler, Dieter Mährlen Geprächspartner: Franz Josef Strauß, Martin Walser, Fritz Eberhard, Graf Baudissin, Erich Kuby Booklet: Kay Hoffmann Mitwirkende: Joseph Beuys, Bazon Brock, Charlotte Moorman, Nam June Paik, Wolf Vostell Mitarbeit: Peter Adler, Rainer C. M. Wagner, Hans Blickensdörfer, Kurt Ulrich, Dietrich Springorum Die Interviews führte: Hans Blickensdörfer, Helmut Greulich, Peter Schier-Gribowski, Georg Friedel Sonstiges: Helmut Jedele, Horst Jaedicke
5 DVD (2 x DVD 5 + 3 x DVD 9), im Schuber, codefree, PAL, s/w + Farbe, 733 Min., Ton: Dolby Mono/Stereo, deutsche Sprachfassung; mit ausführlichem Booklet + vielen Extras

Haus des Dokumentarfilms und die Stuttgarter Schule - Interview mit Dr. Kay Hoffmann
|
|

»Die Jüngeren werden sich das kaum noch vorstellen können: Es gab eine Zeit, da das Fernsehen sich als kritisches Medium verstand und das Wort »Bildungsauftrag« noch nicht als Schimpfwort interpretierte. Damals gab es eine informelle Gruppe von Dokumentarfilmern, die man später wegen einer gemeinsamen Grundhaltung und dem hohen Niveau, das sie teilten, mit dem Etikett »Stuttgarter Schule« versah – wie fast zur gleichen Zeit die literarische Gruppe um Max Bense, Helmut Heißenbüttel und Reinhard Döhl. ... Ihre Heimat fand die »Stuttgarter Schule« in erster Linie in der Sendereihe Zeichen der Zeit, die von 1957 bis 1973 existierte und bis heute davon zeugt, was Fernsehen als eigenständige Kunstform sein könnte, wenn es sich nicht selbst aufgegeben hätte. ... Nun liegen sie als DVD-Paket vor, ergänzt um einen inhaltlich wie formal hochinteressanten zweistündigen Film über die Anfänge der ARD, genauer: über den Dokumentarfilm im Fernsehen und über Zeichen der Zeit. Er trägt die Handschrift des bedeutendsten Erben dieser Tradition, die Handschrift von Alexander Kluge.« Titel-magazin.de, Thomas Rothschild
»Angesichts dessen, was dieser Tage im Fernsehen zu sehen ist, staunt man mitunter, wenn man erfährt, dass die öffentlich-rechtlichen Sender einst durchaus ein Ort der Avantgarde und eine Spielwiese für Experimente waren. Das gilt insbesondere für den SDR (heute SWR), in dessen Dokumentarfilmabteilung man in der Adenauer-Ära bis zur Zeit der Studentenunruhen einen Stil entwickelte, der in ganz Deutschland und nicht nur dort Furore machen sollte. Eine reich ausgestattete Box mit fünf DVDs verschafft nun einen Überblick über diese sogenannte Stuttgarter Schule. Mit dabei ist natürlich DER POLIZEISTAATSBESUCH ... Dieser mit Sicherheit bekannteste Dokumentarfilm des SDR und einer der berühmtesten Dokumentarfilme überhaupt hat Geschichte geschrieben, auch Filmgeschichte. Weit weg von der Pseudo-Objektivität ihrer Vorgänger traute sich dieses Dokumentarfilmschaffen, Stellung zu beziehen und dezidiert polemisch zu sein. Das zeigt sich schon an den hintersinnig-bösen Filmtiteln ... Und die noch heute verblüffende Kameraarbeit tut das Ihrige, um den deutschen Mief der Fünfziger und Sechziger zu entlarven. Da watschelt etwa eine Schar Gänse neben einer Gruppe Schützenfest-Teilnehmerinnen in dieselbe Richtung, was denn auch prompt dazu führte, dass es beim SDR Protestbriefe von patriotischen Bürgern hagelte. Auch deswegen könnte man beim Betrachten dieser Filme nostalgisch werden: nicht nur darüber, dass Fernsehen einst so angriffig war, sondern auch darüber, dass sich das Publikum früher noch so provozieren liess.« Filmbulletin, Johannes Binotto, Dezember 2011
"Diese Filme dokumentieren eine atemberaubende künstlerische Freiheit in einer Zeit, die heute als spießig und im Vergleich als viel unfreier wahrgenommen wird. Beim Betrachten dieser »old fashioned« wirkenden Dokumentarfilme zeigt sich aber ihre brennende Aktualität. Man stellt sich schnell die Frage, wann denn das Fernsehen eigentlic den Mut verloren hat, solche Werke zu senden." DOK-Haus-Info
»Diese große Ära der deutschenTV-Dokumentation ist also nicht durch eine bestimmte Ästhetik, durch einen formalen Kanon definiert, sondern durch etwas anderes. Zum einen durch den Vorsatz, immer das Bestmögliche zu liefern, also Menschen zu interessieren, die zum Beispiel von Kinobildern verwöhnt waren. Zum anderen aber durch Courage, durch Konfliktbereitschaft, durch aufklärerischen Eifer.« Stuttgarter Zeitung, Thomas Klingenmaier
»Die wichtigsten Produktionen der “Stuttgarter Schule” gibt es jetzt in einer vorzüglichen DVD-Edition von Absolut Medien. Sie wurde von dem Dokumentarfilm-Experten Kay Hoffmann kuratiert. ... verdienstvoll.« SWR, Herbert Spaich
»... dieser Spagat zwischen Information, kritischer Grundhaltung, satirischer Distanz und
unterhaltsamer Aufbereitung ist in der heutigen Zeit im Dokumentarfilmsektor leider viel zu selten zu finden. ... eine hochinteressante Zusammenstellung.« Splashmovies.de
---------------------------------
Zeitgenössische Kritiken:
---------------------------------
Über DER POLIZEISTAATSBESUCH: „Herrschende und Beherrschte: Nie wurde die Kluft zwischen beiden mit so viel kritischer Verve, so viel grimmigem Witz und so viel zarter Überzeugungskraft dargestellt. Der Schah und die Studenten von Berlin, die Majestäten, die Polizei und die Leute: Eindringlicher - und geistreicher! - kann man nicht zeigen, was um den 2. Juni herum in unserem Land geschah...“
Momos: Ein Meisterstück. In: Die Zeit. 4.8.1967
Über DIE UNZUFRIEDENEN FRAUEN: „Der geschundenen Existenz der Arbeitssklaven an Maschine und Fließband stellte die Sendung ironisch die Leitbilder gegenüber, die Filmindustrie und Frauenzeitschriften propagieren: ein Dasein zwischen Vollkomfortküche, Hausbar und Automobil, in dem die Frau zugleich Hausmutter, Karrierefrau und Geliebte sein soll. Die vorzüglich photographierte, geschnittene und kommentierte Sendung schloß mit einer Aufforderung an die Männer, die Frauen 'nicht zu besitzen, sondern zu begreifen'. Man gewinnt bei solchen Reportagen den Eindruck, als ob die wirklichen Talente des deutschen Films heute im Fernsehen ihr Wirkungsfeld gefunden haben.“
K. F.: Unzufriedene Frauen. In: Der Tagesspiegel. 9.2.1963
Über ÖDENWALDSTETTEN: „Was Peter Nestler und Kurt Ulrich in der Schwäbischen Alb-Gemeinde 'Ödenwaldstetten' erfuhren – Einbruch der modernen Welt in die bäuerliche Lebensform eines Dorfes -, ist schon mehrfach gezeigt worden. Wie sie den Zuschauer gleichsam mit eigenen Augen Umschau halten, sich Auskunft bei den Einheimischen geben lassen, das war neu und von unmittelbarer Eindringlichkeit.“
N.N.: Ödenwaldstetten. In: Die Welt. 22.8.1964
Über GRAF BISMARCK: „Kein sonderlich aufregendes Thema für die Menschen außerhalb des Reviers, sollte man meinen. So oft wurden wir im Laufe der letzten Zeit mit diesem Thema konfrontiert. Das stumpft ab. Diesmal war alles ganz anders. Diesmal war man dabei. Diesmal ging es unter die Haut. Unsentimental, präzise und direkt.“
t.: Der Untergang der „Graf Bismarck“. In: Hamburger Abendblatt. 16.3.1967
Über FERNSEHFIEBER: „Weit entfernt von jeglicher Selbstbeweihräucherung und 'Schleichwerbung' nahm sich das Fernsehen in dieser vorzüglichen Sendung selbst unter die kritische Lupe, stellte die positive Wirkung seiner Bannkraft in Frage und konstatierte ein bißchen erschrocken und zumindest beunruhigt, daß im Ruhrgebiet nur drei von 85 Befragten die geistige Freiheit besitzen, das Gerät auch einmal abzuschalten.“
S.W.: Am Bildschirm. In: Duisburger Generalanzeiger. 27.6.1963
|
|
Diesen Artikel in den Warenkorb legen Diesen
Film weiterempfehlen! |
|
|
Zurück |
Sie blättern gerade alphabetisch durch die absolut MEDIEN Gesamtliste. |
|
|
|
|
|